Viele Ökonomen würden mit wachsender Sorge auf die steigenden Corona-Infektionszahlen blicken. Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest sei eine wirtschaftliche Erholung nur möglich, wenn die Pandemie unter Kontrolle gebracht werde. Er plädiere für „regionale Mini-Lockdowns“ in Regionen mit hohen Infektionsraten. Der größte Schaden für die deutsche Wirtschaft würde durch eine starke, lang anhaltende zweite Infektionswelle entstehen, nicht durch gezielte Beschränkungen des täglichen Lebens, so Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Er halte einen kleinen Lockdown mit Beschränkungen von Kontakten zwischen Haushalten, Versammlungen und Reisen für notwendig. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), warnt, dass die wirtschaftspolitischen Instrumente weitgehend ausgereizt seien. Die Gesellschaft müsse lernen, mit dem Virus zu leben. Einigkeit bestehe unter den Ökonomen darin, dass es nicht zu Grenz- und Schulschließungen kommen sollte.

Verlängerung der Coronahilfen geplant
Die Bundesregierung plane angesichts steigender Corona-Neuinfektionen und zunehmender Sorgen vor einem neuen Lockdown die Verlängerung der Hilfen für mittelständische Unternehmen und Selbstständige bis Mitte nächsten Jahres. Das Ministerium verhandele mit Warenkreditversicherern darüber, die Ende des Jahres auslaufenden Garantien bis zum 30. Juni 2021 auszuweiten. Eine Verlängerung bedürfe unter beihilferechtlichen Gesichtspunkten der Genehmigung der EU-Kommission.

Wirtschaft warnt vor neuem Lockdown
In Folge stark steigender Corona-Infektionszahlen wachse in der Wirtschaft die Sorge vor einem erneuten Herunterfahren des öffentlichen Lebens. „Ein zweiter Lockdown hätte für die sich langsam wieder erholende deutsche Wirtschaft fatale Auswirkungen“, so BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die Wirtschaft müsse mit gezielten Maßnahmen gestärkt und gleichzeitig der weitere Umgang mit der Pandemie planvoll gestaltet werden. Laut Clemens Fuest, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, müsse jetzt auch aus wirtschaftlicher Sicht die erste Priorität sein, die Infektionen einzudämmen. Es sei besser, jetzt zu bremsen als zu spät. Eine Wiederholung des wirtschaftlich kostspieligen Lockdowns im Frühjahr müsse verhindert werden, so Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Dabei müssten aber immer die ökonomischen Nebenwirkungen der Maßnahmen im Blick sein.

Stahlverbände fordern verstärkten Einsatz zur Bewältigung der Stahlkrise
22 Stahlverbände in Amerika, Europa, Asien und Afrika haben die Regierungen der stahlproduzierenden Volkswirtschaften erneut aufgefordert, ihre Arbeit im Globalen Forum für Stahlüberschusskapazitäten zu intensivieren. Das Ausmaß und das Fortbestehen von Überkapazitäten in der Stahlindustrie würden mehr Ehrgeiz in Bezug auf die Transparenz und die politische Arbeit des Forums erfordern. Auch nicht teilnehmende Regierungen sollten sich wieder beteiligen. Die Bewältigung der globalen Stahlkrise liege im Interesse aller Volkswirtschaften, Stahlproduzenten und -verbraucher und erfordere das Engagement aller G20-Volkswirtschaften.

Dominique Mayer

Bild-Quelle: © stock.adobe.com – kichigin19

 

 

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